zurück nach Brandenburg

Historisches

Von der Birkenlanke im Luch zur Gemeinde mit über 13.000 Menschen: ein Streifzug durch gut 700 Jahre Brieselang.

Grafik: eine Birke neben einem Zeitstrahl mit den Jahren 1208, 1315, 1726, 1920, 1925 und 2003

Auf einen Blick

  1. 1208Bredow wird erstmals urkundlich erwähnt.
  2. 1315Erste Erwähnung des Flurnamens „Brisenlank“.
  3. 1346Zeestow erscheint als „Zcesto“ in den Urkunden.
  4. 1726Forstarbeiter siedeln sich in Alt Brieselang an.
  5. 1846Die Eisenbahn von Berlin nach Hamburg wird gebaut.
  6. 1920Am 25. Oktober hält der erste Zug in Brieselang.
  7. 1925Am 14. Januar wird Brieselang eine eigene Landgemeinde.
  8. 1952Der neue Havelkanal ist fertig.
  9. 1989Bürgerversammlung in der Nacht, als die Mauer fällt.
  10. 2003Bredow und Zeestow kommen zur Gemeinde Brieselang.
  11. 2006Brieselang erhält sein Wappen mit den zwei Birken.
  12. 2025Die Gemeinde feiert ihren 100. Geburtstag.

Slawische Wurzeln

Lange bevor es Brieselang gab, lebten hier Slawen. Am heutigen Wohnplatz Alt Brieselang liegen die Reste eines Burgwalls, einer slawischen Niederungsburg. Bei Bredow fanden Archäologen 2005 ein slawisches Gräberfeld aus dem späten 10. bis mittleren 11. Jahrhundert.

Erste Erwähnungen

Bredow wird 1208 zum ersten Mal genannt, mit einem Pfarrer namens Dietrich. Der Name Brieselang taucht 1315 auf, als Markgraf Waldemar der Stadt Nauen Holzungsrechte in diesem Gebiet verlieh. Damals war Brisenlank noch kein Dorf, sondern ein Flurname für eine feuchte Niederung mit Birken. Zeestow folgt 1346 als „Zcesto“, abgeleitet von einem Personennamen.

Das Luch wird trockengelegt

Das Gebiet war ein urwaldartiges, nasses Luch im Berliner Urstromtal, mit nur wenigen Wegen. Auf Betreiben des preußischen Königshauses wurde es ab 1718 entwässert. Ein Hauptkanal schuf die Grundlage für die Besiedlung. 1726 ließen sich die ersten Forstarbeiter in Alt Brieselang nieder. 1775 werden ein Forsthaus und ein Teerofen erwähnt, 1821 lebten in Holländerei und Forsthaus gerade einmal 15 Menschen. Theodor Fontane widmete dem Brieselang in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ein Kapitel und erzählt darin von der Försterei und der Königseiche.

Eisenbahn und Siedlung

1846 wurde die Bahnstrecke von Berlin nach Hamburg gebaut, doch einen Halt bekam Brieselang noch lange nicht. Im Ersten Weltkrieg begann die Melioration der Wiesen, 1917 kaufte der Kreis Osthavelland das Land vom Rittergutsbesitzer von Bredow. Am 27. November 1919 beschloss der Kreistag, hier eine Kreissiedlung zu gründen.

Am 25. Oktober 1920 eröffnete der Bahnhaltepunkt. Eine schöne Anekdote aus der Festschrift von 1924: Der erste Zug aus Nauen fuhr einfach durch, weil niemand den Lokführer informiert hatte. Erst nach einem Anruf hielt der nächste Zug, begleitet von einem lauten „Haaaalt!“ der Wartenden. Danach ging es schnell: 1921 standen 40 feste Häuser, im April 1923 öffnete die erste Schule mit 112 Kindern, im November 1923 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet, und 1924 lebten schon rund 900 Menschen hier.

Eine eigene Gemeinde

Am 14. Januar 1925 wurde Brieselang aus fünf Gemarkungen zur selbständigen Landgemeinde. Erster Gemeindevorsteher war Alfred Manker, und die Verwaltung hatte ihren Sitz passenderweise in der Birkenallee. Im Juni 1925 zählte der Ort 1.041 Einwohner. Viele Siedler kamen aus Berlin und suchten Grün für ihre Familien, daraus entstand die bis heute typische Eigenheimstruktur. 1926 wurde der Waldfriedhof angelegt, 1931 die evangelische Kirche geweiht.

Dunkle Jahre

Nach 1933 wurde die Gemeindevertretung aufgelöst. Während des Zweiten Weltkriegs lebten in Brieselang Zwangsarbeiter unter schlechten Bedingungen. Auf dem Waldfriedhof erinnert eine Gedenkanlage an ihre Kinder, die hier starben. Für Brieselang endete der Krieg am 23. und 24. April 1945. Am Bahnhof steht ein Denkmal für die Opfer des Faschismus, dazu kommen Stolpersteine im Ort.

Zu DDR-Zeiten

Ab 1952 gehörte Brieselang zum Kreis Nauen im Bezirk Potsdam. Im selben Jahr wurde der neue Havelkanal fertig, der den Ort bis heute prägt. Das Gummiwerk wurde zum größten Arbeitgeber, 1953 entstand eine landwirtschaftliche Genossenschaft. Später kamen Wohnblöcke, ein Sportplatz und eine Turnhalle dazu. Die Badestelle am Kanal wurde 1975 geschlossen.

Wende und Wachstum

Am 9. November 1989, in der Nacht, als die Mauer fiel, fand in Brieselang eine Bürgerversammlung statt. Ein Runder Tisch folgte, und am 6. Mai 1990 wurde die erste freie Gemeindevertretung gewählt. 1992 entstand das Amt Brieselang, seit 1993 gehört der Ort zum Landkreis Havelland. Neue Wohngebiete, ein neuer Bahnhof und große Logistikzentren veränderten das Bild. 2003 wurden Bredow und Zeestow eingemeindet, 2006 bekam Brieselang sein Wappen mit den zwei Birken. 2025 feierte die Gemeinde ihren 100. Geburtstag, Ende 2025 lebten hier 13.192 Menschen.

Quellen: Gemeinde Brieselang (Brieselanger Zeittafel, Geschichte der Ortsteile, 100 Jahre Brieselang, 100 Jahre Bahnhof), Wikipedia (Brieselang), Literaturport Berlin-Brandenburg. Stand: 22. Oktober 2026.